
Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes
Gemeinderat stimmt einstimmig für die Verlegung von Stolpersteinen in Neckargemünd
Stolpersteine gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Sie erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden. Der Gemeinderat Neckargemünd hat der Verlegung von Stolpersteinen in Neckargemünd zugestimmt.
Auf Initiative des Kulturvereins Neckargemünd e.V. und der Kulturreferentin der Stadt Neckargemünd, Dr. Jasmin Hettinger, hat sich im Dezember 2025 eine 15-köpfige Initiativgruppe zusammengetan. Ihr Ziel ist es, das Gedenken an die Neckargemünder Opfer des NS-Regimes dauerhaft im Stadtbild zu verankern.
Die Gruppe knüpft dabei an die Vorarbeit einer Arbeitsgruppe um Dr. Hans-Werner Scheuing an. Diese hat in dem 2017 erschienenen Buch „soll in Wiesloch verstorben sein“ die Lebensgeschichten von 36 Neckargemünder Bürgerinnen und Bürgern dokumentiert, die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen wurden.
Bei der weiteren Planung orientiert sich die Initiativgruppe an den Vorgaben der Stolperstein-Stiftung. Demnach sollen bei einer ersten Verlegung in einer Stadt höchstens zwei Verlegeorte ausgewählt und insgesamt nicht mehr als zehn Schicksale berücksichtigt werden.
Diese Rahmenbedingungen fließen in die weitere Auswahl der Biografien ein. Neben den bereits dokumentierten Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen sollen auch weitere Opfergruppen in den Blick genommen werden, darunter Menschen jüdischer Herkunft, religiös oder politisch Verfolgte, Sinti und Roma, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder aus sozialpolitischen Gründen verfolgt wurden.
Ein wichtiger Partner der Initiative ist das SBBZ Luise von Baden, dessen Ursprünge auf das ehemalige Taubstummenheim Brugghalden in Neckargemünd zurückgehen. Einige Menschen, die in die Tötungsanstalt Grafeneck deportiert und dort ermordet wurden, waren zu einem früheren Zeitpunkt auch im Neckargemünder Taubstummenheim untergebracht. Bereits unabhängig von der Initiative haben sich Mitarbeitende des SBBZ mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der eigenen Institution beschäftigt. Nun soll gemeinsam ausgelotet werden, wie an diesem historischen Ort ein öffentliches Gedenken gestaltet werden kann. Das SBBZ soll einer der beiden vorgesehenen Verlegeorte werden; die konkrete Standortfrage wird zunächst innerhalb der Einrichtung geklärt.
Im kommenden Jahr soll die Auswahl der ersten Biografien abgeschlossen und die Vorbereitung der Stolperstein-Verlegung weiter vorangebracht werden. Dabei werden die Vorgaben der Stolperstein-Stiftung berücksichtigt, bevor die Inschriften für die Gedenksteine abgestimmt werden. Eine erste Verlegung mit dem Künstler Gunter Demnig ist frühestens für die zweite Novemberhälfte 2027 vorgesehen.
Mit der geplanten Verlegung von Stolpersteinen soll die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Neckargemünd einen sichtbaren Platz erhalten. Zugleich sollen die Lebensgeschichten der Menschen, die verfolgt und ermordet wurden, im Bewusstsein der Stadtgesellschaft lebendig bleiben.

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