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Rückgang der Insekten

Mehrjährige Bluhflächen sind auch im Winter wichtig

Bild: Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V. / 
Mehrjährige Blühflächen sind auch im Winter wichtig 

(Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V.)
Der Schwalbenschwanz ist einer unserer bekanntesten Schmetterlinge. Als Raupe ernährt er sich vom Laub der Wilden Möhre und anderen Doldenblütlern. Die findet der Falter zum Beispiel auf eigens für Insekten angelegten mehrjährigen Blühflächen.

Bekanntlich sind Vielfalt und Menge (die Biomasse) der Insekten binnen 30 Jahren auf einen Bruchteil zurückgegangen. Das ist schlimm, weil sie zum einen die Nahrungsgrundlage vieler anderer Tiere wie Vögel und zum anderen die wichtigsten Bestäuber sind; nicht zuletzt für die meisten unserer Nutzpflanzen. Zur Förderung von Bienen, Schmetterlingen und vielen anderen Insekten gibt es spezielle Samenmischungen zu kaufen. Nicht nur Gartenbesitzende, sondern auch Städte und Gemeinden schaffen damit immer öfters kleine Oasen, wo es summt und flattert.

Auch wir Menschen freuen uns über die bunte Pracht während der warmen Jahreszeit. Weichen die Blüten aber im Herbst trockenen Stängeln und braunem Laub, stören sich manche daran. Sie möchten „ordentlich gepflegte“ Flächen. Und so werden etliche kommunale Blühflächen im Spätjahr gemulcht. Das heißt, die verblühten Pflanzen werden abgemäht, zerkleinert und auf dem Boden verteilt. Die mehrjährigen treiben ja im Frühjahr wieder aus, die anderen kommen aus Samen wieder. Hier wird aber nicht zu Ende gedacht.

Für den Schwalbenschwanz ist dies nämlich eine Katastrophe. Er überwintert wie viele andere Arten als Puppe an Stängeln. Etliche Insekten sowie Spinnen überdauern den Winter auch als Eier, Larven oder ausgewachsene Tiere. Manche haften außen an Pflanzen, andere nutzen hohle Stängel. Doch egal wie - durch das Mulchen haben sie kaum Chancen, den Winter zu überstehen. Die eigens für sie geschaffene Blühfläche wird zur Falle.

Außerdem stellen sowohl die überwinternden Kleintiere wie auch die Samen der Pflanzen eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel im Winter dar. Distelfinken, Dompfaffen und Zeisige beispielsweise werden hier fündig.

Die für die Pflege Verantwortlichen in den Kommunen stehen im Konflikt. Oft kommen sie mit dem Mulchen im Herbst dem Wunsch einzelner, allzu ordnungsliebender Bürgerinnen und Bürgern wider besseres Wissen nach - um des lieben Friedens willen.

Insektenblühflächen sind aber nicht als gärtnerische Anlagen für uns Menschen gedacht. Die Tiere brauchen sie ganzjährig, eben auch als Winterquartier. Blütenstände von Wilder Möhre oder Königskerze sind bei genauerer Betrachtung, vor allem mit Raureif überzogen, auch durchaus dekorativ. Im Spätfrühling kann man sie dann ohne Bedenken entfernen. Und Naturfreunde wissen: Dort wartet die nächste Generation des Schwalbenschwanzes!