
Die Geschichte der Villa Menzer
Die Villa Menzer hat eine bewegte Geschichte hinter sich und vereint mit ihrem historischem Charme und der modernen Ausstattung Vergangenheit und Gegenwart. Bevor sie durch das Projekt FREIRÄUME für Coworking, Meetings, Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt wurde, war sie privates Wohnhaus der Familie Menzer, Standort der Stadtverwaltung und Unterschlupf für das abgebrannte Schulzentrum. Wir nehmen dich auf dieser Seite mit in die Vergangenheit, um dir die Geschichte der Villa näher zu bringen!
Kurzüberblick über die Geschichte Ab 1867: Ausbau der Firma Julius F. Menzer. zu einem überregional bekannten Weinhandel
1857: Eintreffen der ersten griechischen Weine in Neckargemünd
1892: Bau der Villa Menzer als repräsentatives Wohnhaus der Familie Menzer
1947: Brand im Dachgeschoss der Villa führt zu Umbau und Abriss des charakteristischen Fachwerkturms
1954: Veräußerung der Villa Menzer durch Hermann und Käthe Menzer an die Stadt mit der Auflage der öffentlichen Nutzung
1955: Schließen der Firma nach wirtschaftlichen Problemen durch Weltkriege und Inflation
1972: Käthe Menzers Tod
1976: Einzug der Stadtverwaltung in die Villa
2003: Schulbrand & Einzug der Verwaltung von Gymnasium und Realschule bis 2008
2009: Gründung des Vereins „Villa Menzer e.V-Haus für Soziales und Kultur“ (Infos)
2009-2021: Organisation von Kunstausstellungen durch den Verein gemeinsam mit dem Museum
Ab 2022: Start des Projekts FREIRÄUME in der Villa Menzer, Neckargemünd als Pilotkommune
Die Familie Menzer und ihre Firma
Julius Friedrich Menzer stammte ursprünglich aus Wiesenbach. Nach seiner Heirat in die Neckargemünder Kaufmannsfamilie Odenwald übernahm er das Spezereigeschäft seines Schwiegervaters und gründete die Firma Julius F. Menzer. 1867 wurde das Unternehmen von seinem Sohn Julius übernommen und zu einem überregional bekannten Weinhandel ausgebaut.
1869 heiratete er Eva Mampel aus Kirchheim und bekam vier Kinder. Die älteste Tochter Eva verstarb kurz nach ihrer Geburt. Das Paar bekam die Söhne Julius und Hermann, 1884 wurde Käthe als Jüngste der vier geboren. Julius Menzer war ein geschäftstüchtiger junger Mann und gehörte zu den Ersten, der griechische Wein nach Deutschland importierten. 1875 traf die erste Lieferung in Neckargemünd ein. Bald belieferte er zahlreiche Gaststätten und Weinhandlungen. Es entstand ein großes Sortiment, die Geschäfte liefen gut und nach Neckargemünder Vorbild wurden Gasthäuser in Berlin, Frankfurt und Mannheim eröffnet. So ließ Julius Menzer 1892 die Villa Menzer als repräsentatives Wohnhaus für seine Familie bauen.
Die beiden Weltkriege und die Inflation brachten wirtschaftliche Probleme mit sich. Der Sohn Julius fiel 1914 im Krieg, sodass Sohn Hermann die Geschäfte weiterführte. Die Erfolge aus der Gründerzeit wurden aber nicht mehr erreicht, sodass er 1938 ausstieg und die Firma 1955 geschlossen wurde.
Julius Menzer ließ 1892 die Villa Menzer als repräsentatives Wohnhaus bauen. Die Villa erhielt einen großen Weinkeller und in der Altstadt wurden zahlreiche Keller zur Lagerung angemietet. 1907 übergab er das Geschäft an seine Söhne. Im selben Jahr heiratete seine Tochter Käthe Rittmeister Carl Lenich. Die beiden Weltkriege und die Inflation brachten wirtschaftliche Probleme mit sich. Sohn Julius fiel 1914 im Krieg, sodass Sohn Hermann die Geschäfte weiterführte. Die Erfolge aus der Gründerzeit wurden aber nicht mehr erreicht, sodass er 1938 ausstieg und die Firma 1955 geschlossen wurde.
Wirken der Familie Menzer
Durch den Weingroßhandel und das gemeinnützige Engagement Julius Menzers wur-de viel in der Stadt Neckargemünd vorangetrieben. Er bekam außerdem den Titel eines Griechischen Konsuls und wurde Reichstagsabgeordneter.
In der Altstadt wurden zahlreiche Keller zur Lagerung angemietet und im Güterbahnhofsareal wurden große Firmengebäude errichtet. Die Firma Menzer wurde zum größten Arbeitgeber der Stadt. Der Wein wurde in der späteren Griechischen Weinstube „zur Stadt Athen“ ausgeschenkt. In der Weinstube fand auch das Steckenbasteln des 1897 wieder eingeführten Sommertagszug statt, bei dem Julius Menzer und Wirtin Konstantine Beuttner mitwirkten. Neckargemünd gehörte zu den ersten Städten, die diesen wieder einführten, das Ende des Umzugs war im Menzerpark. Julius Menzerkümmerte sich zudem um das Vermögen der Stifterfamilie Walter und setze nach deren letzten Willen den Aufbau eines Friedhofs durch. Mit dem Stifterkapital konnte die Errichtung eines Schwesternhauses mit Krankenstube am Marktplatz unterstützt werden, außerdem wurde die Feuerwehr mit neuen Löschfahrzeugen und Uniformen ausgestattet. Julius Menzer sich darüber hinaus für den Bau von Wasserleitungen ein, die es bis dato in Neckargemünd nicht gab. Am Kastanienberg versuchte er, selbst griechische Rebsorten anzubauen, was aber leider nicht gelang.
Geschichte der Villa durch die Zeit
Julis Menzer beauftragte 1890 den Mannheimer Architekten Schäfer mit dem Bau einer repräsentativen Villa für seine Familie, die nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde. Außerhalb der Stadtmauer gab es viele kleine Grundstücke, die Julis Menzer nach und nach aufkaufte, bis das heutige rund 15.000 Quadratmeter große Areal des Menzerparks entstand. Dort gab es viele exotische Bäume, eine künstliche Burgruine, eine Grotte und einen künstlichen See. Das Wasser stammt aus dem Münzenbach, der hier einst oberirdisch über das Gelände floss.
Im Zweiten Weltkrieg war die Villa durch ihre räumliche Nähe zur Eisenbahnbrücke Bombenangriffen ausgesetzt und wurde beschädigt. 1947 ist im Obergeschoss der Villa ein Brand ausgebrochen, sodass der Dachstuhl einschließlich Fachwerkturm abgerissen werden musste. Die Villa erhielt beim Wiederaufbau ein Satteldach mit Schleppgauben und damit auch ein ganz neues Gesicht. Das Obergeschoss wurde in zwei Wohnungen unterteilt, im Dach wurde ein Kinderzimmer untergebracht. 1954 beschlossen die Kinder Käthe und Herrmann Menzer, die Villa und den Park mit der Auflage der öffentlichen Nutzung an die Stadt zu veräußern.
Nach dem Tod der Menzers zogen 1967 Teile der Stadtverwaltung in die Villa. Das Ambiente bot vielen Eheschließungen einen romantischen Rahmen. Als 2003 das Schulzentrum der Stadt abbrannte, zog die Schulverwaltung von Gymnasium und Realschule bis 2008 in die Villa. Seit 2009 organisierten der neu gegründete Verein Villa Menzer e.V. und die Stadt Neckargemünd mit der Unterstützung zahlreicher engagierter Künstlerinnen und Künstler Ausstellungen in der Villa.
2022 hat die Stadt sich nach rund 13 Jahren Leerstand für das Projekt „FREIRÄUME“ des Rhein-Neckar-Kreises entschieden und führt dieses seitdem durch.

