Hindernisfrei im Wiesenbacher Tal

Weitere Auszeichnungen für barrierefreie Einrichtungen in Neckargemünd

Volksbank Neckartal, Filiale Münzenbach. Andreas Stahl und Christian Rupp von der Volksbank und das Auszeichnungsteam (Bürgermeister Frank Volk, Stadtrat Jürgen Rehberger, Petra Holzer (Stadtmarketing, Arbeitskreis Barrierefreiheit), Petra Kohl (Tourist-Information, Arbeitskreis Barrierefreiheit), Ruth Dahme-Bauer (Arbeitskreis Barrierefreiheit))

Im Neckargemünder Stadtteil Wiesenbacher Tal hat sich die Geschäftswelt schon lange auf diejenigen ihrer Kunden eingestellt, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind. Grund hierfür ist sicherlich die Nähe zur SRH, die mit Schulen und Berufsbildungswerk Im Spitzerfeld ansässig ist. So sind über die Jahrzehnte viele große und kleine Lösungen, aber auch individuelle Workarounds entstanden, die der Arbeitskreis Barrierefreiheit nun in seiner 3. Auszeichnungsrunde mit einer Urkunde und dem Logo „hindernisfrei“ als Türaufkleber ehrte.
Die Geschäftsstelle Münzenbach der Volksbank Neckartal ist nach dem jüngsten Umbau noch leichter zu erreichen. Neben dem ebenerdigen Eingang öffnet sich nun auch eine vollautomatische Tür für jeden Kunden und ermöglicht das barrierefreie Betreten der Filiale. „Natürlich haben wir uns im Vorfeld die Frage gestellt, ob sich so ein Umbau überhaupt noch lohnt“, berichtet Christian Rupp, „doch wir haben so viele Kunden im Wiesenbacher Tal, die diese Geschäftsstelle regelmäßig nutzen.“

Sparkasse Heidelberg, Filiale Wiesenbacher Tal. Filialleiter Heinz Jirasko und das Auszeichnungsteam.

Nur wenige Häuser weiter in der Filiale der Sparkasse Heidelberg bemüht man sich ebenfalls für alle Kunden erreichbar zu sein. „Durch die Nähe zur SRH sind wir hier in der Pflicht“, so Filialleiter Heinz Jirasko. Der Zutritt ist ebenerdig, zwei nicht-automatische Türen jedoch nicht für jeden zu überbrücken. „Hier im Wiesenbacher Tal sind hindernisfreie Zugänge schnell praxiserprobt und man erarbeitet miteinander individuelle Lösungen“, erläutert Jirasko. Neben einer Klingel an der Tür, mit der die Sparkassen-Mitarbeiter zur Hilfe geholt werden können, gibt es auch Kunden, die im Hinterhof parken, anrufen und sich dort vor Ort beraten lassen.

Paracelsus Apotheke. Frau Gerlach (Apothekerin in der Paracelsus Apotheke) und das Auszeichnungsteam.

Zwischen den beiden Bankfilialen ist die Paracelsus Apotheke. Auch hier ist ein ebenerdiger Zugang selbstverständlich. Um die Hürde der nicht-automatischen Tür zu überwinden, kann eine Klingel betätigt werden. Wer die Klingel nicht erreicht, kann eine Telefonnummer anrufen, die dort angeschrieben ist. „Wer Barrieren vermeiden will, wählt oft eine Versandapotheke“, erzählt Apothekerin Gerlach, „dabei entstehen auch für den Kunden diverse Schwierigkeiten. Versandapotheken bieten keine Akut-Versorgung. Auch die kurzen Wege bei fehlerhaften Rezepten und die schnellen Lösungen, die ortsansässige Apotheken mit den benachbarten Ärzten finden, fallen weg.“ „Ganz zu schweigen von der Beratung und dem persönlichen Gespräch“, ergänzt Bürgermeister Frank Volk, „und auch Steuern und Arbeitsplätze wandern durch den Onlinekauf von den Orten ab.“

Kornblume. Inhaberin Ingrid Hoffmann mit Mitarbeiterin und dem Auszeichnungsteam.

Der Naturkostladen Kornblume in der Wiesenbacher Straße ist mit dem ebenerdigen Zugang und der vollautomatischen Tür für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwägen gleichermaßen leicht zu begehen. „Wir haben schon beim Bau an die Barrierefreiheit gedacht“, berichtet Inhaberin Ingrid Hoffmann. Auch die Warenregale im Inneren sind nicht zu hoch, wie es in vielen Supermärkten der Fall ist. „Lediglich der Durchgang zwischen den Gängen ist manchmal etwas schmal“, erzählt Petra Holzer von den Berichten der Schüler der Stephen-Hawking-Schule, die im Jahr 2017 im Rahmen des Projektes verschiedene Einrichtungen getestet haben, „manchmal kommt man mit breiteren Rollstühlen nicht durch.“ Frau Hoffmann ist dankbar für diese Information und sieht gleich eine Lösung: beim Befüllen der Regale und Aufstellen von Verkaufsdisplays werde sie das künftig im Kopf behalten.

Pizzeria Bella Marina. Pizzabäcker Toptik Faysan mit dem Auszeichnungsteam.

Leckere Pizza gibt es fast nebenan in der Pizzeria Bella Marina. Auch hier kommt man ebenerdig über eine kleine Bodenschwelle hinweg in den Verkaufsraum. „Wir haben viele Kunden, die auf den hindernisfreien Zugang angewiesen sind“, erzählt Pizzabäcker Toptik Faysan.

Friseur Nelson. Inhaberin Gülseren Rudolph und das Auszeichnungsteam.

Der Friseur Nelson liegt zwar mitten in der Altstadt, hatte aber bei der letzten Auszeichnungsrunde seinen Ruhetag und bekam somit erst in dieser Runde seine Urkunde überreicht. Schon vor über vierzig Jahren goss der damalige Inhaber und Namensgeber eine Betonrampe zum Hintereingang des Geschäfts. „Direkt zur Eröffnung des Rehazentrums“, erinnert sich Gülseren Rudolph, die heutige Inhaberin des Friseursalons, „damals hatten wir viele Kunden von dort, daher haben wir auch heute noch höhenverstellbare Waschbecken.“

„Wir zeichnen ganz bewusst die Hindernisfreiheit, nicht die Barrierefreiheit aus“, erklärt Petra Holzer vom Stadtmarketing, „für das Label ‚barrierefrei‘ müssen bestimmte Din-Normen erfüllt werden, die wir bei der Topographie Neckargemünds fast nirgends einhalten können.“ Das Ziel des Arbeitskreises ist es, diejenigen positiv herauszustellen, die sich darum bemühen, jedem Zugang zu ihrem Geschäft oder ihrer Praxis zu ermöglichen. Mit dieser Auszeichnung sollen auch weitere Hausbesitzer und Geschäftsinhaber dazu animiert werden, sich dieses wichtigen Themas anzunehmen.
Wer ebenfalls einen barriere- bzw. hindernisfreien Zugang zu seinem (halb)öffentlichen Gebäude hat, kann sich beim Arbeitskreis melden und sich für eine Auszeichnung bewerben (Kontakt: E-Mail, 06223 804-222).