Energie- und Klimaschutzleitbild von Neckargemünd

Präambel

Um in Neckargemünd positive Entwicklungen zu fördern und die Chancen eines Umbaus der Energieversorgung zu nutzen, hat der Gemeinderat von Neckargemünd ein Energie- und Klimaschutzleitbild mit qualifizierten und quantifizierten energie- und klimapolitischen Zielsetzungen für eine nachhaltige kommunale Energiepolitik beschlossen. Dieses Leitbild soll bei künftigen klimarelevanten Entscheidungen des Gemeinderats als Selbstverpflichtung dienen.
Das Energie- und Klimaschutzleitbild soll dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent, bis 2025 um 25 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2009 zu senken. Hierzu werden die besonderen Stärken und Gegebenheiten in der Stadt genutzt. Die Ziele und Zielwerte im integrierten Klimaschutzkonzept geben den Orientierungsrahmen für das künftige Verwaltungshandeln im Rahmen der kommunalen Zuständigkeiten und in der Zusammenarbeit mit privaten und institutionellen Partnern. Hierzu muss ein Klimaschutzmanagement dauerhaft etabliert werden. Der im Klimaschutzkonzept vorgelegte Maßnahmenkatalog ist im Rahmen des Klimaschutzmanagements mindestens alle drei Jahre zu bilanzieren und fortzuschreiben.
Bei künftigen Beschaffungen, bei Dienstreisen und bei Baumaßnahmen wird die Stadtverwaltung ihrer Vorbildfunktion gerecht und sich gemäß diesem Leitbild verhalten.

Leitlinien

Grundlagen

Die Stadt fördert Klimaschutz durch eigene Initiativen und durch Informationsmaßnahmen zur Energieeinsparung und zur Steigerung der Energieeffizienz.
Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran, indem sie mit Energie sorgsam umgeht. Sie erfasst ihre Energieverbräuche, legt sie offen, um zukünftige Einspareffekte aufzuzeigen. Jährlich
werden dazu die Energieverbräuche, zunächst der zehn wichtigsten gemeindlichen Einrichtungen erfasst, mit Klimadaten korreliert, graphisch ausgewertet und veröffentlicht.
Jährlich werden die aktuellen Energiedaten im gesamten Stadtgebiet ermittelt und mit den Zielvorgaben aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt Neckargemünd verglichen (Monitoring- Prozess). Die Ergebnisse werden bewertet, auf der Homepage sowie der in der Presse
veröffentlicht und im Gemeinderat erörtert.
Die Stadtverwaltung informiert sich und die Bürger regelmäßig über Klimaschutz und Energiesparmaßnahmen. Hierzu gehören Zusammenfassungen des Klimaschutzkonzeptes, Ergebnisse
und Aktivitäten von Vereinen und Verbänden sowie von benachbarten Gemeinden und Städten. Ferner sollten auch regionale und überregionale Fördermöglichkeiten und die Unterstützung von Projekten durch externe Finanzierungskonzepte vorgestellt werden.

Kommunale Entwicklungsplanung

Die Verwaltung sowie die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Neckargemünd sind bestrebt, mindestens so viel Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen, wie sie verbrauchen (Energieneutralität). Es ist Ziel aller Bemühungen der Stadt, aus Klimaschutz- und Energieeinsparungsgründen einer verstärkten Zersiedelung der Landschaft durch Reaktivierung von innerörtlichen Brachflächen entgegen zu wirken.
Aktiver Klimaschutz ist eine Investition in die Zukunft Neckargemünds. Die Stadt achtet bei ihrer Bauleitplanung auf größtmögliche Effizienz bei Energieverbrauch und -erzeugung.
Schützenswerten Flächen und Ausgleichsflächen auf dem Stadtgebiet Neckargemünd wird großer Wert beigemessen. Denn zu den Umweltfolgen der Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen zählen unter anderem der Verlust der natürlichen Bodenfunktionen als Folge von Versiegelung, der Verlust fruchtbarer landwirtschaftlicher Flächen oder der Verlust naturnaher Flächen mit ihrer Biodiversität. Zudem zieht jede Neuerschließung von Bauflächen außerhalb der bisherigen Siedlungskerne weiteren Verkehr und Flächenzerschneidung nach sich. Die Flächenversiegelung wird daher auf ein Mindestmaß verringert.

Energiemanagement

Dauerhafte Energieeinsparungen sind nur durch ein kontinuierliches Energiemanagement zu sichern. Dies bezieht sich einerseits auf die jährliche Kontrolle, Bewertung und gezielte Einflussnahme von Energieverbräuchen von Gebäuden. Das kommunale Energiemanagement motiviert, informiert und unterstützt die Bürger bei energetischen Sanierungsmaßnahmen und Neuprojekten. Durch diese Aktivitäten soll das Nutzerverhalten positiv beeinflusst und Energieverbrauch und -kosten nachhaltig optimiert werden.
Das Bewusstsein der privaten und gewerblichen Verbraucher zu Klimaschutz und Energieverbrauch ist zu sensibilisieren. Bürgerliches Engagement soll gebündelt und koordiniert werden. Der aus engagierten Bürgern gebildete Klimaschutzbeirat wird die Stadt Neckargemünd bei der Umsetzung des Leitbilds unterstützen.
Die Umsetzung des Leitbilds erfolgt von einem Klimaschutzmanager oder einer Klimaschutzmanagerin in enger Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Klimaschutzbeirat. Die Verwaltung erstellt in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft aus dem Leitbild einen auf die Stadt Neckargemünd abgestimmten, umsetzbaren und zeitlich bestimmten Energienutzungsplan, in dem vor allem Hinweise gemacht werden, wie Energie künftig eingespart und wie die Nutzung erneuerbarer Energien ausgeweitet werden kann.
Die Verwaltung der Stadt Neckargemünd verpflichtet sich zur Einhaltung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württemberg (EWärmeG), wonach beim Heizungsanlagentausch in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden 15% der Wärme durch erneuerbaren Energien gedeckt oder Ersatzmaßnahmen nachgewiesen werden müssen.

Mobilitätsmanagement und Verkehr

Ziel des Mobilitätsmanagements ist es, den Personen- und Güterverkehr effizienter, umwelt- und sozialverträglicher zu machen. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie bei den Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein und das Verständnis für eine umweltgerechte Verkehrsmittelwahl gefördert und die Lebensqualität in Neckargemünd gesteigert werden kann.
Die Akzeptanz der Bürger für einen Wechsel zum ÖPNV muss erhöht werden. Das Angebot muss bedarfsgerecht, verlässlich und in der Darstellung übersichtlich genug sein, um als Alternative zum motorisierten Individualverkehr erkannt und angenommen zu werden. Es muss ausnahmslos im gesamten Stadtgebiet verfügbar sein auch in den Tagesrandzeiten.
Fußgänger und Radfahrer müssen im laufenden Verkehr stärker und als gleichwertige Partner erlebt werden. Alle Ortsteile müssen durch Fuß- und Radwege erschlossen werden, die sicher und attraktiv zu gestalten sind. Aber auch in der Innenstadt Neckargemünds sollen die Fahrradwege ausgebaut werden. Orientierungsrahmen ist das kommunale Radverkehrskonzept. Der innerörtliche Verkehr ist durch das hohe Pendler-Aufkommen und den Durchgangsverkehr geprägt. Der unvermeidliche Verkehr muss stetig im Fluss gehalten werden. Der vermeidbare Durchgangsverkehr ist aus der Altstadt Neckargemünds herauszuhalten.
Die Stadt nutzt alle Möglichkeiten, den innerörtlichen motorisierten Verkehr zu reduzieren, indem etwa verkehrslenkende Maßnahmen das Parken auf unerlaubten Flächen erschweren.

Umweltbildung

Zusammen mit den örtlichen Kindergärten und Schulen soll das kreative Potenzial bei Kindern und Jugendlichen für den Klimaschutz gefördert werden. Um Jugendliche an das Thema Klimaschutz heranzuführen, soll alle zwei Jahre ein Jugendklimagipfel für interessierte Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren stattfinden, auf dem sie eigene Ideen in die aktuelle Klimaschutzdiskussion mit einbringen können. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen werden jeweils dem Gemeinderat vorgestellt – möglichst durch die Jugendlichen selbst.
Darüber hinaus soll ein Klimaschutz-Preis ausgeschrieben werden. Mit dem Preis sollen besonders innovative Ideen für den Klimaschutz gefördert werden. Besonders interessant sind solche Ideen, die ohne größere Investitionen auskommen, möglichst viele Beteiligte ansprechen, einen hohen Motivationseffekt haben und Klimaschutz mit Spaß verbinden.