Der Gemeinderat Neckargemünd zu Besuch bei der AVR Kommunal GmbH

Was passiert mit dem Abfall aus der „Grünen Tonne plus“? Lohnt sich das Sortieren überhaupt?

Diesen Fragen ging Anfang Oktober 2017 der Gemeinderat Neckargemünd bei seiner Besichtigung der AVR Kommunal GmbH nach. „Abfall getrennt entsorgen und wiederverwerten. Viele Bürger sind da skeptisch,“ weiß Bürgermeister Frank Volk, “und bezweifeln, dass es mit der Wiederverwertung klappt. Aber die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen für sich.“

So lag im Jahr 2000 der Anteil der haushaltstypischen Siedlungsabfälle bei 37,6 Millionen und stieg auf 43,9 Millionen im Jahr 2013 an, gleichzeitig wurden im Jahr 2000 nur etwa 51 % verwertet, 2013 waren es bereits 87,5 %, davon 65 % mit stofflicher Verwertung. Im Jahr 2013 wurden 17,1 Mio. Tonnen Verpackungen verbraucht. Dies ist der bisher höchste Wert, vermutlich verursacht durch die Zunahme des Internethandels. Die Verpackungsabfälle gingen zu 71,2 % in die werkstoffliche Verwertung, wo das Material erhalten bleibt, um neue Produkte daraus herzustellen. Insgesamt kamen 97,6 % zum Recycling oder zur energetischen Verwertung (Verbrennung mit Energienutzung). (Quelle: Abfallbilanzen des Statistischen Bundesamtes) Zu der Informationsfahrt zur AVR hatte Bürgermeister Frank Volk den Gemeinderat eingeladen, „denn es gibt nichts Besseres als Informationen aus erster Hand“, erklärte das Neckargemünder Stadtoberhaupt. Demnach bekamen die Teilnehmer des Gemeinderates eine ausführliche Information rund um das Unternehmen und das Müllaufkommen im Kreis, das mit über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich für mehr als 540.000 Einwohner in allen 54 Städten und Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises für die Müllentsorgung im Einsatz ist. Über die künftige Entwicklung aus der Abfallwirtschaft wurde ausgiebig diskutiert und direkte Fragen zur Verbrennung und Deponierung vom Prokuristen Klaus Karrer und den Bereichsleitern Gerhard Barthel und Wolfgang Wesch beantwortet.

Dann ging es zu einer der größten und modernsten Wertstoffsortieranlagen ihrer Art in Deutschland. Der Betriebsleiter Wolfgang Ratke führte Bürgermeister und Gemeinderäte zunächst zur Ablade- bzw. Annahmestelle und zeigte die verschiedenen Sortierlinien, in denen das lose angelieferte Wertstoffgemisch je nach Größe und Materialeigenschaften aufgetrennt wird. Die Sortierung der Wertstoffströme erfolgt über verschiedenste Maschinen. Zunächst werden die großen Wertstoffe und verschlossenen Säcke entnommen, letztere dann maschinell geöffnet. Über große Trommelsiebe wird jede Teilmenge ihren Eigenschaften entsprechend mechanisch weiter sortiert, anschließend die flächigen von den runden Materialien getrennt, die leichten Plastikfolien aus den jeweiligen Stoffströmen gesaugt. Über Überbandmagnetscheider werden die eisenhaltigen von den nichteisenhaltigen Metallen separiert, bevor sieben Wirbelstromabscheider die Nichteisenmetalle abtrennen. Zur Transportoptimierung werden die getrennten Wertstoffe nach der Zwischenlagerung  einer zentralen Pressenlinie zur Verarbeitung in einer Ballenpresse zugeführt oder über eine Containerverladestation verladen. Alle aussortierten Stör- oder Reststoffe werden in einer vollautomatischen Pressstation in Container verpresst. Die manuelle Nachkontrolle der maschinellen Trennvorgänge kann die gleichbleibend hohe Qualität der Sekundärrohstoffe sicherstellen. Als „Endprodukte“ gab es schließlich verschiedene Müllpakete zu sehen, unterteilt in: Papier, Pappe und Kartonagen; Kunststoffe: Folien, PO-, PET-Flaschen, Mischkunststoffe, stoffgleiche Nichtverpackungen; Schrott und Metalle: Eisenschrott, Weißblech, Aluminium; Getränkeverbunde; Altholz, Altglas und Sortierreste.

Die Informationsfahrt zur AVR in Sinsheim empfanden alle Teilnehmer als sehr konstruktiv und lehrreich. Der Prokurist Klaus Karrer, die Bereichsleiter Barthel und Wesch und der Betriebsleiter Ratke hatten sich viel Zeit genommen, um das Thema Abfallentsorgung ausführlich zu erklären. Dabei wurde deutlich, dass jeder Einzelne die reibungslose Müllsortierung unterstützen kann, in dem er schon zuhause eine erste Vorsortierung vornimmt, bevor die Einzelteile in den Müll kommen: Etwa alle Wertstoffe voneinander trennen, z.B. beim Joghurtbecher, den Deckel komplett abreißen und ggf. die bedruckte Papierhülle entfernen oder bei Zigarettenschachteln das Alu-Innenleben von der Plastik-Außenhülle trennen, da diese sonst von Hand gelöst werden müssen. Joghurtbecher nicht zusammen stecken, sondern jeden für sich separat entsorgen, auch diese müssen sonst von Hand getrennt werden. Müllsäcke nicht zubinden, damit diese besser entleert werden können. Alte Kassetten, Videokassetten oder sonstige Tonbänder gehören, trotzdem sie aus Plastik sind, in den Restmüll, denn die Bänder sind hitzebeständig und können, wenn sie sich um die Lager der Maschinen wickeln, diese kaputt machen. Und am Schluss war der Gemeinderat sich einig: „Wir konnten uns heute davon überzeugen, wie gut die Sortieranlage funktioniert, dass am Ende Vieles in die Wiederverwertung geht und es sich in jedem Fall für die Umwelt lohnt, den Müll zu sortieren.“ „Doch die Zunahme an Müll macht deutlich, auf der reinen Müllsortierung darf man sich nicht ausruhen,“ gibt die Neckargemünder Klimaschutzmanagerin Nicola Lender zu beden-ken, sie war ebenfalls bei dem Besuch dabei, „die Müllvermeidung muss unbedingt im Vordergrund stehen!“

Bei weiteren Fragen zum Thema können Sie sich direkt an die AVR Kommunal GmbH Tel: 07261/931-510 oder Frau Nicola Lender, Tel.: 06223/804-617, lender@neckargemuend.de. wenden.