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Stadtgeschichte Neckargemünd

Die Stadt Neckargemünd liegt mit 124 - 298 m über NN auf drei Höhenzügen verteilt an der Mündung des Flüsschens Elsenz in den Neckar (daher der Name). Der Name „Neckar“ ist sprachwissenschaftlich als der „nagende“ Fluss zu deuten, der Name „Elsenz“ bedeutet „Erlenbach“ und verweist auf die umliegende Landschaft und Vegetation. Die Neckargemünder Region gehört zu den ältesten Lebensräumen der Menschen in Europa. Nur wenige Kilometer südlich der Stadt wurde im Jahr 1907 in einer Sandgrube der Unterkiefer eines Urmenschen entdeckt, der vor mehr als 500.000 Jahren lebte und als „Homo heidelbergensis“ in die Geschichte einging. In der Frühzeit prägten die Kräfte des Flusses die Lebensbedingungen der Menschen stark. Weitere Zeugnisse der Besiedlung Neckargemünds finden sich erst wieder zur Jungsteinzeit (ca. 5.000 v. Chr.). Die Menschen besiedelten damals bevorzugt die fruchtbaren Lössböden des Rheintals und Gebirgsränder, ließen sich aber auch im Neckartal und Kraichgau nieder. Auf Neckargemünder Gemarkung fand man jungsteinzeitliche Scherben und zwei Steinbeile. Mit der Römerzeit wurden weite Teile Deutschlands erstmals in eine mächtige Reichsorganisation eingegliedert, und es gibt erste schriftliche Aufzeichnungen. Damals lebten hier Kelten und germanische Sueben. Auch in Neckargemünd siedelten Kelten, das ergibt sich aus den Namen eines römerzeitlichen Grabsteins aus Kleingemünd aus der Zeit des 2. oder 3. Jh. n. Chr. Er nennt die verstorbenen Eheleute Petoatix und Meddila sowie einen Fortioelius, der den Grabstein errichten ließ. Der Neckargemünder Raum gehörte zur obergermanischen Provinz von Mainz. Die Herrschaft der Römer endete um das Jahr 260, als sie von den germanischen Alamannen aus Südwestdeutschland vertrieben wurden. Seit dem Ende des 5. Jahrhunderts nahmen die Franken weite Teile Deutschlands in Besitz. Es gibt drei Neckargemünder Fundstücke aus fränkischer Zeit: eine Speerspitze und zwei Pfeilspitzen aus Eisen. Dennoch ist Neckargemünd sehr wahrscheinlich keine fränkische Gründung, sondern eher eine spätere Ausbausiedlung, ausgehend von einem Ursprung in Bammental-Reilsheim und Meckesheim (als „Risolfesheim“ 769 n. Chr., bzw. Meckesheim 822 n. Chr. urkundlich bezeugt). Die Wälder zu beiden Seiten des unteren Neckars waren in der Zeit davor kaum oder gar nicht besiedelt gewesen; die großen Forsten waren Eigentum des Königs. Im engen und schwer begehbaren Neckartal verstärkte sich erst im 10. Jahrhundert die Besiedlung. Aufgrund der topographischen Lage nimmt man an, dass wohl eine Siedlung von Fischern der Ursprung des Ortes war. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Neckargemünd im Jahr 988. Damals verlieh Kaiser Otto III. dem Wormser Bischof Hildebald den Wildbann in den königlichen Wäldern um Wimpfen und Neckarbischofsheim. Dies bedeutete nicht nur das Jagd- und Forstrecht, sondern stellte auch einen Auftrag zur Erschließung, Besiedlung und Verwaltung des bis dahin nur recht dünn besiedelten Gebiets zwischen Neckar, Elsenz und Gartach dar. In der Verleihungsurkunde ist der Ort „Gemünd“ als nordwestlicher Grenzort genannt: „... a loco Gemundi ubi Elisinzia fluvius infl uit Neccaro fluvio...“. Wichtige Stützen für die Wormser Politik waren die Grafen des Elsenzgaus (in Sinsheim) und die Grafen von Lauffen, die seit ca. 1140 ihren Sitz in Dilsberg hatten. Bis heute hat die Wormser Herrschaft ihre Spuren in Neckargemünd hinterlassen, etwa durch die Gründung der St. Ulrichskirche. Im Turm hängt eine Glocke aus dem Jahr 1477 mit einem Reliefbild des heiligen Ulrich. Der Heilige galt vor allem als Wasser- und Reisepatron und passt so sehr gut zu Neckargemünd, das seiner Lage am Fluss und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten seine Bedeutung verdankt. Zur Zeit der Stauferkaiser änderte sich die politische Lage im unteren Elsenztal grundlegend. Nach dem Tod des letzten Grafen von Lauffen übernahmen Kaiser Friedrich II. und sein Sohn König Heinrich die Herrschaft in der Region selbst. Wimpfen wurde Verwaltungszentrale, und die strategisch wichtigen Orte an den Hauptstraßen der Zeit wurden besonders geschützt. Aus diesem Grund wurde oberhalb der Siedlung auf der Anhöhe zwischen Elsenz und Wiesenbacher Tal die Reichsburg „Reichenstein“ erbaut (1292 urkundliche Ersterwähnung). Die kaiserlichen Beamten kontrollierten die von Metz über Worms und Heidelberg kommende Kaiserstraße, die sich durch das Wiesenbacher Tal zog und beim Kloster Lobenfeld nach Wimpfen und Würzburg gabelte. Zusätzlich erfüllte die Burg die Funktion eines Verwaltungssitzes für die Dörfer des unteren Elsenztales. Schon bald nach der Errichtung der Burg wurde vermutlich die Stadt Neckargemünd gegründet. In einem Reichssteuerverzeichnis erscheint Neckargemünd erstmals 1241 als freie Reichsstadt („Gamundia“). Der jenseits des Neckars liegende Weiler Kleingemünd wurde in den Stadtverband einbezogen. In der Regierungszeit Rudolfs von Habsburg (1273 - 1291) war die Reichsunmittelbarkeit Neckargemünds noch gewährleistet. Später wurde die Stadt aufgrund der Finanznöte der Kaiser wiederholt verpfändet und kam schließlich 1330 durch Kaiser Ludwig den Bayern an die Pfalzgrafen bei Rhein, die ihr Territorium von Heidelberg aus verwalteten. Neckargemünd blieb bis zur Auflösung der Kurpfalz in der napoleonischen Zeit (1803) im Besitz der mächtigen Heidelberger Kurfürsten. So war die Geschichte des Städtchens nachhaltig mit der Kurpfalz verbunden. Gegenüber der Burg Dilsberg verlor die Burg Reichenstein ihre Bedeutung, sie ist 1355 letztmalig urkundlich erwähnt. In der Zeit der Reformation durchlebte Neckargemünd eine wechselvolle Geschichte. Als Kurfürst Ottheinrich (1556 - 1559) nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 die Reformation in seinem Land verfügte, beugten sich viele nur widerwillig. Zur weiteren Verunsicherung trugen häufige Konfessionswechsel bei, denn die Pfalzgrafen schwankten zwischen dem lutherischen und dem calvinistischen Bekenntnis. Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) verschaffte je nach Kriegsglück der katholischen Konfession wieder Bedeutung. Am Ende des Krieges galt für die Kurpfalz das reformierte Bekenntnis, aber auch die Lutheraner konnten sich in Frieden entfalten, und wenige Jahre später auch die Katholiken. Neckargemünd war eine kurze Friedenszeit vergönnt, bevor die Stadt 1688 im Pfälzer Erbfolgekrieg von französischen Truppen unter Mélac besetzt wurde. Unter der Regierung des Kurfürsten Carl Theodor nahm Neckargemünd einen gewissen Aufschwung, da der Kurfürst den wirtschaftlichen Ausbau seines Landes vorantrieb. Aufgrund der topographischen Lage herrschten in Neckargemünd für eine ausgedehnte Landwirtschaft ungünstigere Bedingungen als in der Rheinebene oder auf den Lössböden des Kraichgaus. Tragende Säulen der städtischen Wirtschaft waren neben dem üblichen Kleingewerbe und Handwerk das Flößer- und Schiffergewerbe, Fischfang, Handel und Durchgangsverkehr. Neben dem Holzhandel blühte das Geschäft der Steinbrecher, ab dem 18. Jahrhundert verstärkte sich der Leder- und Mehlhandel. Die Elsenz speiste zahlreiche Mühlräder; in den Mahl-, Loh-, Säge-, Gips-, Öl- und Walkmühlen arbeiteten die zu Zünften organisierten Handwerker. Der wirtschaftliche Aufschwung im 18. Jahrhundert lässt sich deutlich an der steigenden Einwohnerzahl ablesen: Im Jahr 1727 hatte die Stadt 877 Einwohner, 1784 schon 1.580. Kurfürst Carl Theodor hielt im Neckar- und Elsenztal bei Neckargemünd mehrere barocke Jagden ab. 1767 wurde in Neckargemünd eine Poststation eingerichtet, entlang der Straße von Heidelberg nach Sinsheim und Heilbronn sowie nach Waldwimmersbach und Würzburg. Im Jahr 1788 ließ die Stadt zu Ehren des Fürsten ein klassizistisches Prunktor errichten. Das Tor ist heute zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Als Verkehrsknotenpunkt und Umschlagplatz, durch die Intensivierung von Handwerk, Industrie und Handel, durch die kirchliche Ausstattung und das Bevölkerungswachstum hatte sich Neckargemünd bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit für seine künftige Rolle als Verwaltungszentrum gegenüber dem Dilsberg deutliche Vorteile verschafft. Neckargemünd wurde, als mit der Auflösung des kurpfälzischen Territoriums 1803 das neue Großherzogtum Baden entstand, Amtsstadt. Das Bezirksamt hatte bis 1857 seinen Sitz in Neckargemünd. Ihm oblagen vor allem Aufgaben der Rechtsprechung sowie die Oberaufsicht über die Polizei, das Forstwesen, das Gesundheitswesen, die Straßen und öffentliche Sicherheit. Als Amtsgefängnis wurde der städtische Kerker am oberen Stadttor genutzt. Von Neckargemünd aus wurden 40 Gemeinden verwaltet, im Südwesten bis Maisbach, im Süden bis Daisbach und Waibstadt, östlich über Bargen bis Asbach, im Norden bis Moosbrunn und Allemühl. Die Nordgrenze bildete der Neckar; Kleingemünd lag außerhalb. Im Zuge einer Verwaltungsreform wurde ab 1832 das Amt laufend verkleinert, bis es schließlich dem Amt Eberbach einverleibt wurde. In Neckargemünd verblieb nur noch ein Amtsgericht. Nicht nur in Neckargemünd, sondern auch in den Nachbargemeinden führten diese Änderungen zu heftigen Protesten. Im 19. Jahrhundert musste Neckargemünd noch zwei weiteren Krisen begegnen: Ab der Jahrhundertmitte gab es in zahlreichen Städten und Gemeinden in der Pfalz, so auch in Neckargemünd, einen deutlichen wirtschaftlichen Abschwung. Viele Menschen wanderten damals nach Amerika aus, der Bevölkerungsverlust lag bei 20 %. Auch in der Zeit danach war die Einwohnerzahl zeitweise rückläufig. Das lag vor allem an der Eröffnung der Eisenbahnlinie durch das untere Elsenztal nach Würzburg (1862) und der Neckartalbahn (1879). Die Stadt verlor ihre Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt, und so gerieten alle, die vom Durchgangsverkehr lebten, in Existenznot. Noch im Jahr 1895 hatte Neckargemünd weniger Einwohner (2.247) als 50 Jahre zuvor (2.468). Das dritte große Problem war die Verselbständigung Kleingemünds im Jahr 1860. Der auf der nördlichen Neckarseite liegende Weiler (1340 erstmals urkundlich erwähnt) hatte über Jahrhunderte gewisse Sonderrechte genossen. Seine Gemarkung war in lockerem Zusammenhang mit Neckargemünd entstanden und erstreckte sich vom Felsenberg bis zur Landesgrenze gegen Neckarsteinach. Die meisten Einwohner waren Bauern, es gab auch einige Schifferfamilien und in späteren Jahren gewann der Berufszweig der Steinhauer an Bedeutung. Die Siedlung existierte lange Zeit nur entlang der Bergstraße und weitete sich im 19. Jahrhundert allmählich auch entlang der Landstraße und im Norden und Osten aus. Bedingt durch die Abgeschiedenheit infolge der Trennung durch den Fluss, die ländliche Struktur des Ortes und die permanente Sorge um eine etwaige Benachteiligung gegenüber den Bewohnern der Kernstadt gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen den beiden Stadtteilen. Seit 1819 strebte der Weiler verstärkt nach politischer Selbständigkeit. Die Trennung der Ortschaften wurde 1860 genehmigt. 1906 setzte allgemein eine verstärkte Bautätigkeit ein, der Wunsch nach Versorgungsanlagen wurde größer und untergrub die Lebensfähigkeit von Kleingemünd. Dies führte im Jahr 1907 zur Eingemeindung in die Stadt Neckargemünd, unter Aufhebung aller Sonderrechte. Um die Jahrhundertwende wurde Neckargemünd vom Fremdenverkehr entdeckt und als Wohngemeinde attraktiv. Es gab kaum nennenswerte Industrie (am Ende des 19. Jahrhunderts war die 1840 gegründete Weinhandlung Menzer zeitweilig das größte Unternehmen am Ort; sie wurde bekannt durch den Import griechischer Weine. 1892 errichtete der Firmeninhaber Julius Menzer die „Villa Menzer“ im Stil der Gründerzeit). Die Erschließung durch die Eisenbahn brachte eine verstärkte städtebauliche Entwicklung. Zahlreiche begüterte Bürger zogen nach Neckargemünd und bauten ansehnliche Villen. Auch im Wiesenbacher Tal und Kleingemünd entstanden große Landhäuser und die Stadt erhielt mehrere Schulen (Staatliche Schule für Gehörlose, Volksschule) und Kurbetriebe. Bei nur wenigen Schäden im 1. Weltkrieg wuchs die Stadt kontinuierlich bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Als die Eskalation des Bombenkrieges die benachbarten Städte bedrohte, wurde Neckargemünd eine Zuflucht für Abgebrannte und Ausgebombte. Die strategisch günstige Verkehrslage wurde der Stadt gegen Ende des Krieges doch noch zum Verhängnis: erstmals im Dezember 1944 fielen die Bomben in weiter Streuung auf die Straßen, Schienenwege und Brücken. Als die Amerikaner am 31. März 1945 in Neckargemünd einrückten, waren die Brücken ( am 29. März 1945 von deutschen Pionieren gesprengt) und ein Zehntel des Wohnungsbestandes zerstört. Die Kirche am Neckar war so schwer getroffen, dass dort keine Gottesdienste möglich waren. Die Folgejahre waren von schweren Aufbauleistungen geprägt, wobei man in Neckargemünd eng zusammenrücken musste: neben den ausgebombten Stadtflüchtigen kamen immer mehr Vertriebene aus Ost- und Südosteuropa in die Stadt, die zunächst in Schulen als Sammelunterkünften untergebracht wurden. Bei Kriegsbeginn hatte Neckargemünd kaum 4.000 Einwohner, nach Abebben des Flüchtlingsstroms über 6.000. In den Jahren des wirtschaftlichen Aufstiegs Deutschlands entwickelte sich auch Neckargemünd stetig aufwärts und hat sich bis heute zu einem Unterzentrum am Rand des Ballungsgebietes Heidelberg-Mannheim entwickelt. Die Entwicklung einer modernen städtischen Infrastruktur, umfangreiche soziale Einrichtungen, der Bau von Schwimmbad und Sportanlagen, eine gutes Freizeitangebot verbunden mit einer raschen Baulandumlegung haben dafür gesorgt, dass die Attraktivität Neckargemünds als Wohngemeinde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ständig gestiegen ist. In den 70er Jahren wurden drei umliegende Ortschaften nach Neckargemünd eingemeindet: 1973 Dilsberg mit seinen Wohngebieten Dilsberg, Neuhof, Dilsberger Hof und Rainbach, 1974 Waldhilsbach, 1975 Mückenloch.

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