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Leben und Werk des Künstlers Ernst Marfels

Ernst-Marfels: Blick auf Neckargemünd

Der Porträt- und Landschaftsmaler Ernst Marfels lebte von 1920 bis zu seinem Tod 1958 in Neckargemünd. Geboren wurde er am 20. Juni 1886 als Sohn des Uhrenhändlers und –sammlers Carl Marfels (1854-1929) und dessen Ehefrau Elvira, geb. Langheim in Frankfurt-Sachsenhausen. Sein Vater Carl, der 1854 in Eberstadt bei Darmstadt geboren wurde, begann mit vierzehn Jahren seine kaufmännische Ausbildung bei der Frankfurter Uhrenhandlung Ludwig & Fries und trug seit 1885 seine erste Uhrensammlung zusammen. Bereits drei Jahre später präsentierte er diese Sammlung in einer groß aufgemachten Publikation, was in den Fachkreisen für eine außergewöhnliche Überraschung sorgte. 1893 zog er mit seinem Sohn Ernst nach Berlin-Schöneberg, wo er als Inhaber und Schriftleiter der Deutschen Uhrenmacherzeitung auch die Gründung des Deutschen Uhrenmacherbundes (1897) einleitete. In den darauf folgenden Jahren verkaufte er seine Uhrensammlung an den amerikanischen Millionär J. P. Morgan. Heute befindet sie sich im Metropolitan Museum New York. Die zweite Uhrensammlung, wobei die Taschenuhren einen besonderen Schwerpunkt bildeten, entstand in den jetzt folgenden Jahren und wurde
nach 1910 an den Uhrenhersteller Junghans in Schramberg / Schwarzwald veräußert. Die dritte Sammlung an Uhren brachte Carl Marfels dagegen kein Glück, denn ein betrügerischer Amerikaner, der unter falschem Namen die gesamten Uhren erwarb, betrog ihn nicht nur um den Kaufpreis, sondern Marfels verlor mit diesem Geschäft auch sein gesamtes übriges Vermögen. Abschließend sei jedoch erwähnt, dass auch sein geschäftliches Verhalten und die rigorosen Methoden, die er bei der Auswahl und Behandlung der Uhren anwandte, sehr umstritten waren.

Ernst Marfels: Porträt

Sein Sohn Ernst entschloss sich 1907, während der Berliner Zeit, Maler zu werden. Der Vater, der wohl durch sein Sammeln von Uhren der Kunst sehr nahe stand, war mit dieser Entscheidung einverstanden, so dass Ernst Marfels seine künstlerische Ausbildung zunächst fast ausschließlich in Berlin durch Atelierunterricht bei den Professoren für Landschaftsmalerei Julius von Klever (1850-1924) und Karl Heffner (1849-1925) erhielt. Weitere Aufenthalte in München, Dresden und London dienten dem angehenden Künstler, sein Kunstwissen zu vertiefen. In Paris besuchte Marfels für kurze Zeit die private Kunstakademie Julian, die von zahlreichen deutschen Künstlern u.a. von der Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907) frequentiert wurde. Einige der in der Ausstellung gezeigten Kohlezeichnungen sind typische Akademiearbeiten, die im Rahmen des Pariser Aufenthaltes entstanden sein könnten. Durch seinen Lehrer Karl Heffner zur intimen Landschaftsmalerei geführt, interessierte sich Marfels vor allem für die französische Landschaftsdarstellung, der paysage intime, der Freilichtmalerei, wie sie von den Künstlern der Schule von Barbizon (1832-1865) gepflegt wurde, und deren Werke Marfels in Museums- und Galerieausstellungen in Paris betrachten konnte.Sein Aufenthalt in den Niederlanden galt ebenfalls dem Studium der Intimen Landschafts- und Genremalerei, wie sie die Haager Schule (1875-1900) vertrat. In Nachfolge hatte sie sich programmatisch der Schule von Barbizon als Vorbild angeschlossen. Wohl wissend, wie schwer sich mit der Landschaftsmalerei allein der Lebensunterhalt verdienen lässt, wandte sich Marfels nach seiner Rückkehr nach Berlin der Porträtdarstellung zu. Seine Ausbildung hierzu erhielt er bei dem bekannten und auch in London tätigen Professor Hans Schadow (1862-1924), der noch in realistischer Darstellungsweise seine Porträts ausführte.

Ernst Marfels: Stadttor Neckargemünd

Am 3. Dezember 1920 zogen Vater und Sohn Marfels nach Neckargemünd und wohnten in der Schützenhausstraße. Ein Jahr später, am 18. November heiratete Ernst Marfels Marie Zinkhand, die Tochter eines Frankfurter Juweliers.
Ernst blieb in den ersten Neckargemünder Jahren zunächst noch der Porträtmalerei verbunden, wie sie ihm Schadow gelehrt hatte, wechselte dann aber um 1923/25 entgültig zur Landschaftsdarstellung. Die Gemälde, die in der darauf folgenden Zeit entstanden, sind dem malerischen Realismus zu zuordnen. Der vom Künstler gewählte unprätentiöse Bildausschnitt ist existent, d.h. topographisch nachweisbar und wird durch eine reizvolle Lichtführung und Farbgebung, die sich an der Naturgegebenheit orientiert, malerisch verklärt.

Ernst Marfels: Flussufer

Marfels bleibt damit traditionell der Malerei des späten 19. Jahrhunderts verbunden, als in Deutschland das Motiv des unbedeutenden, intimen Landschaftsausschnittes von der Studie zu einem offiziell anerkannten, ausstellungswürdigen und autonomen Kunstwerk avancierte. Diese Form der Landschaftsdarstellung machte sich Marfels zu eigen und hielt an ihr fest. So zeigen seine im leicht flockigen Pinselduktus ausgeführten intimen Landschaftsbilder auch eine gekonnte Behandlung des Lichtes sowie der Wasserspiegelungen von Bäumen und Gebüsch. Diese Gestaltungsweise ist vor allem bei seinen zahlreichen Gemälden mit Partien im Bereich der Elsenz unter Einbindung des Flusslaufs vertreten, was ihm im Volksmund den Namen „Elsenzmaler“ einbrachte. Neben seinen Landschaftsdarstellungen, meist ohne Staffage, aus der Umgebung von Neckargemünd, entstanden auch Gemälde mit Gesamt- und Innenansichten der Stadt. Einige Arbeiten zeigen Motive, die an den Aufenthalt in den Niederlanden erinnern und vom Künstler nach Vorzeichnungen ausgeführt wurden. Typisch für die Malweise des Künstlers ist, dass er die Farben direkt nass in nass auf den Bildträger aufbrachte und sie hier koloristisch aufeinander abstimmte. Die Farben werden zum Träger von Licht von Atmosphäre. Der Künstler war sich der entscheidenden Wirkung dieses Phänomens auf die Darstellung bewusst. Die Intimität des Lichtes führt zu auflösenden Formen bei den Gegenständen, und die Detailgenauigkeit der Dinge tritt dabei erkennbar zurück, lässt aber das Wirkliche im Sinne des Greifbaren noch sichtbar. In wirkungsvollen Licht- und Farbeffekten bringt der Maler die Impressionen der Tages- oder Jahreszeit unmittelbar zum Ausdruck. Räumliche Bildtiefe wird durch die Größenunterschiede der hintereinander gestaffelten Gegenstände und den weichen Konturen der im Hintergrund befindlichen Partien verdeutlicht. Mit dem Fehlen von Ortsangaben auf seinen Gemälden wollte Marfels der Darstellung keinen topographisch spezifischen und unverwechselbaren Charakter geben, sondern eine Allgemeingültigkeit, die allein auf den Landschaftsausschnitt abhebt. Diesen Arbeiten von Ernst Marfels ist gemeinsam, dass sie sich durch ihre Einfachheit, Naturpoesie und Stille auszeichnen. Sein Spätwerk zeigt immer wieder modifizierte Wiederholungen bereits ausgeführter Motive. Eine Legitimität, die der Künstler nach eigener Aussage als ganz normal ansah.

Ernst Marfels gehörte nicht nur dem Verein „Freunde der bildenden Kunst e.V.“ in München an, sondern war auch Mitglied des Heidelberger Künstlerkreises „Form und Farbe“, der von 1932 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges mehrmals im Monat in der Gaststätte „Goldener Hecht“ tagte. Freundschaftliche Beziehungen verbanden hier Marfels mit den Malerkollegen Adolf Hacker (1873-1943), Heinrich Hoffmann (1859-1933) und Karl Ledermann (1905-1991). Einen regen Gedankenaustausch pflegte er auch mit dem Neckargemünder Maler Kurt Thon (1913-1998). In der Ausstellung werden von diesen Künstlern exemplarisch einige Werke gezeigt. Letztendlich war Ernst Marfels ein seine Künstlertätigkeit pragmatisch ausübender Maler. Ihm lag es ebenso fern wie seinem Malerfreund Adolf Hacker, den jeweiligen Stilrichtungen zu folgen noch sich über diese zu äußern. Für ihn existierten nicht die zermürbenden Streitigkeiten um die richtige und wahre Kunstrichtung. Er war auch nicht der Maler, der sich Theorien beschäftigte, denn schon von seiner praktischen Seite her war und blieb er ein Künstler ohne überzogenen intellektuellen Anspruch.

Ernst Marfels verstarb am 22. Februar 1958 in Heidelberg.

Dr. Benno Lehmann