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Geschichte von Dilsberg

Römerfunde auf der Dilsberger Gemarkung und eine Römersiedlung auf der benachbarten Wiesenbacher Gemarkung lassen vermuten, dass der Dilsberg früher als Signalstation für die römische Besatzungsmacht diente. Die großen Quader der Burg deuten auch auf Reste einer früheren keltischen oder alemannischen Fluchtburg hin. Allerdings sind die frühgeschichtlichen Anfänge des Dilsberg als Befestigung und Wohnsiedlung ebenso ungeklärt wie die genaue Namensdeutung ("Berg des Thilicho", oder langgezogener Berg aus der Wortwurzel "diel" ).

Dilsberg Burgturm

Nach der Zerstörung des römischen Reiches im Zusammenhang mit der Völkerwanderung übernahmen die Franken die Herrschaft in der Region. Sie bauten im Land eine Verwaltung auf und untergliederten es in Gaue/Grafschaften und "Zenten" (Gerichts- Wehr- und Verwaltungsbezirke). Grafen fungierten als Befehlshaber und Richter.

In der Folgezeit mussten die deutschen Kaiser ihre Macht- und Rangansprüche stets gegen den auf Ausweitung der eigenen Macht bedachten Fürsten- und Regionaladel behaupten. Die Kaiser aus der Familie der Ottonen stützten sich dabei auf die Kirche, deren Würdenträger Ämter und Aufgaben des Reichs wahrnahmen und dafür Besitztümer und Privilegien erhielten. Das deutsche Kaisertum und das Hochstift (Bistum) Worms schufen somit die Grundlagen für die Herrschaftsentwicklung am unteren Neckar. Diesem Bistum verlieh 988 Kaiser Otto III. den "Wildbann" (u.a. mit dem Recht auf Waldrodung und Besiedelung) im Wimpfener Forst entlang des Neckars zwischen Neckargemünd und Wimpfen. Diese Schenkung war von großer Bedeutung, da sie die räumlichen Grundlagen für das spätere Unteramt Dilsberg legte. Kaiser Friedrich Barbarossa verlieh 1156 seinem Halbbruder Konrad von Staufen die "Pfalzgrafschaft bei Rhein", zur Stärkung des staufischen Herrschaftsanspruchs. Konrad gründete um 1170 Heidelberg. Damit wechselte das Zentrum der pfalzgräflichen Besitztümer vom Niederrhein in den unteren Neckarraum, wobei der Dilsberg neben Heidelberg stets von besonderem Interesse war.

Die Grafen von Lauffen waren eine überaus einflussreiche Adelsfamilie, die in der Reichsgeschichte etwa in der Zeit von 900-1100 eine bedeutsame Rolle spielte. Nach der Aufgabe ihrer Burg beim Nachbarort Wiesenbach ergriffen sie im Auftrag des Bistums Worms Besitz vom Dilsberg. Dort erbauten sie in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts die Burg und rodeten die Wälder. Die Höhenlage des Dilsberges ermöglichte eine bessere Kontrolle der Verkehrswege, sollte zugunsten der bischöflichen Macht strategisch einen "Sperrriegel" gegen die sich in Heidelberg formierende Pfalzgrafenschaft bilden und Einwirkungsmöglichkeiten auf die Erschließung des unteren Steinachtales (Schönau) bieten. 1208 wird Dilsberg, das mit seiner Festung eine große Strecke des Neckartals beherrschte, erstmals als „Dilighesberch“, Wohnsitz des Grafen Boppo V. von Lauffen, erwähnt. Vermutlich schon vor der Gründung der Burg bestanden die Weiler Rainbach und „Reidenberg“, letzterer lag westlich des heutigen Dilsbergerhofes. Nach dem Aussterben der Lauffener Familie fiel die Burg Dilsberg durch Erbfolge den Herren von Dürn zu, die ihr Kernland im südlichen Odenwald (Walldürn) hatten. In Anlehnung an den alten Grafentitel der Lauffener, welche über mehrere Herrschaftssitze verfügt hatten, wurde erstmals 1253 für Dilsberg der Anspruch erhoben, eine eigenständige Grafschaft zu sein. Boppo I. von Dürn nannte sich auf seinem Siegel "Graf (comes) von Dilsberg". Sein Besitz und damit seine Machtbasis waren aber zu gering, um diesen Anspruch durchzusetzen; bald wurde er vom Pfalzgrafen abhängig. Im Jahr 1287/88 kaufte Kaiser Rudolf von Habsburg Graf Boppo II. von Dürn die Burg Dilsberg ab. Dieser Erwerb bedeutete die Stärkung der lange Zeit geschwächten Reichsgewalt im unteren Neckarraum, denn die Burg Dilsberg war ein weithin sichtbares Kleinzentrum für die umliegenden Dörfer.

In den Jahren 1310 bis 1340 gingen die Herrschaft und das Eigentum an der Burg Dilsberg an die Pfalzgrafen über. Die pfälzische Herrschaft ist urkundlich erstmals 1344 nachweisbar. Sie verfügten damit über einen wichtigen Stützpunkt zur Sicherung und Ausdehnung ihres Machtbereichs im unteren Neckar- und Elsenzraum. Vor der Burganlage gründete Kurfürst Ruprecht I. die Stadt Dilsberg. Die Bewohner der benachbarten Weiler Rainbach und Reidenberg mussten ihre Behausungen aufgeben und sich innerhalb der neuen Stadtmauer ansiedeln.

Mangels geeigneter Voraussetzungen für Verkehr und Handel, und weil die Kurpfalz die Entwicklung einer städtischen Selbstverwaltung eher eingrenzte als förderte, konnte sich eine "Stadt Dilsberg" im vollen Rechtssinne nicht entwickeln. In späterer Zeit wurde Dilsberg nur noch als "Burgflecken" bezeichnet. Das Städtchen hatte vor allem die Festung zu stärken, den Heidelberger Hof in Kriegszeiten aufzunehmen, war Ausgangspunkt von kurpfälzischen Prunkjagden und hatte ein Gefängnis. Hier befand sich auch die Verwaltung der kurpfälzischen Liegenschaften und die Kellerei - nicht Weinkellerei! - über die Eigendörfer des Kurfürsten im Gebiet der Meckesheimer Zent. Der „Keller“ (von lat.:cellerarius) war Verwalter der Dilsberger Domäne und leitete dazu die Zivilverwaltung und das Unteramt des Oberamtes Heidelberg. Das Unteramt ging aus der Kellerei hervor, deren zu Anfang rein wirtschaftliche Kompetenzen sich zu einer hoheitlich-staatlichen Funktion entwickelten. Das Zuständigkeitsgebiet des Unteramtes Dilsberg umfasste die Meckesheimer Zent (seit 1329) und die Reicharthäuser Zent (seit 1401). Erst mit dem letzteren Datum kann von der Rangerhöhung zu einem Unteramt gesprochen werden. Im 17.Jh. zählte die Burg Dilsberg, mittlerweile zu einer der stärksten Festungen im unteren Neckartal ausgebaut, zu den heiß umkämpften Festungsanlagen. So blieb Dilsberg vom 30jährigen Krieg (1618-1648) nicht verschont. Dilsberg, das wie Heidelberg auf der Seite der Reformation stand, wurde 1621 vom kaiserlichen Feldherrn Tilly belagert; kapitulierte 1622 nach der Eroberung Heidelbergs. Nach Rückeroberung durch die Schweden und erneute Eroberung durch kaiserliche Truppen wurde Dilsberg 1648 an die Kurpfalz zurückgegeben und in der Folge überstand das Städtchen die Eroberung durch die Truppen Melacs im pfälzischen Erbfolgekrieg unversehrt.

1799 versuchten französische Revolutionsheere vergeblich, den Dilsberg zu erobern. Hiermit wurde letztmals die militärische Bedeutung des Dilsberges für die Kurpfalz dokumentiert. Die von den napoleonischen Kriegen ausgehende Ländereroberung bedeutete das Ende der Kurpfalz. Dilsberg fiel dem neuen Land (Kur-) Baden zu. Das Unteramt wurde aufgelöst und auf die Ämter Neckargemünd und Schwarzach aufgeteilt. Nun stellte sich die Frage nach der Weiterverwendung der Burg. Ab 1804 wurde sie zur Arrestierung von straffälligen Soldaten bestimmt. Schon 1822 – 26 wurde sie jedoch zum Abbruch für private Zwecke (Gewinnung von Baumaterial) freigegeben, der Grafenpalas bis auf das Gewölbe abgetragen, das neue Amtshaus (von ca. 1750) ganz, die Mantelmauer und die Vorburg zum Teil.

Wegen der allgemein schlechten Lebensverhältnisse und auch wegen des Verlustes des Unteramtes verarmte Dilsberg immer mehr, so dass zahlreiche Familien nach Amerika auswanderten. Haupterwerbszweig war damals in Dilsberg die Landwirtschaft. Viele arbeiteten auch im Kleingewerbe und in den Steinbrüchen des Neckartals. In dieser Zeit entdeckten namhafte Maler wie Fohr, Rurner, Graimberg und Weysser die Schönheit des Dilsberg und seiner Landschaft. Die Anfänge des Tourismus und die spätromantische Aufwertung der deutschen "Burgenherrlichkeit" in der wilhelminischen Zeit führten zu einer teilweisen Restaurierung der Burg. Der Dilsberg wurde ein beliebtes Ziel für Studenten und die Jugend- und Wanderbewegung, die sich im Torturm eine Unterkunft schuf. Die wirtschaftliche Entwicklung stagnierte weiterhin. Eine große Herausforderung war die verhältnismäßig hohe Zuweisung von Heimatvertriebenen nach Ende des 2. Weltkrieges: Bei ca. 1060 Einwohnern über 350 Flüchtlinge (34%!). Bis Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden neue Baugebiete außerhalb der Stadtmauer erschlossen; der historische Ortskern verlor damit seine Bedeutung als innerörtliches Zentrum. Eine grundlegende Verbesserung der seit Jahrhunderten schwierigen Wasserversorgung brachte erst der Anschluss des Dilsberger Wassernetzes an die Stadt Neckargemünd um 1964. In dieser Zeit fiel auch die Durchführung der Flurbereinigung auf der Gemarkung um Dilsbergerhof.

Mit knapper Mehrheit entschieden sich Gemeinderat und Bürgerschaft 1973 für die Eingemeindung nach Neckargemünd. Dilsberg hat sich bedingt durch die Nähe zu Heidelberg und die schöne Landschaft zu einer begehrten Wohngemeinde mit hohem Freizeitwert entwickelt. Die zahlreichen Musikvereine und Chöre, die Burgbühne mit ihrem Repertoire, die Kreiskulturstiftung im Kommandantenhaus und viele mehr bieten rund ums Jahr ein hochkarätiges Programm und begründen den Ruf des Dilsbergs als Zentrum von Kunst und Kultur im Rhein-Neckar-Raum. Jährlich über 100 000 Besucher erfreuen sich an der landschaftlichen und baulichen Besonderheit des Bergorts.